Was sagt der Ostfriese wenn es ihm gut geht?
Nichts. Er sieht nur etwas weniger ernst aus.
Ostfriesenwitze leben von wenigen Worten, viel Tee und einer Landschaft, in der man den Besuch schon Tage vorher kommen sieht. Bei uns findest du die bekannten Frage-Antwort-Witze über den schweigsamen Norddeutschen und neue Witze über Wind, Möwen und Feriengäste. Die meisten kannst du bedenkenlos am Kaffeetisch oder vor Kindern erzählen.
Was sagt der Ostfriese wenn es ihm gut geht?
Nichts. Er sieht nur etwas weniger ernst aus.
Wie macht man einen Ostfriesen neugierig?
Man wartet.
Was ist die längste Rede eines Ostfriesen?
"Jo."
Ein Ostfriese kauft ein Buch. Kommt er eine Woche später wieder:
"Haben Sie noch eins? Das war gut."
Warum hat der Ostfriese kein Handy?
Wen sollte er anrufen?
Was ist das Lieblingsgericht des Ostfriesen?
Tee. Und was dazu.
Kommt ein Ostfriese in die Stadt. Fragt ihn jemand: „Woher kommen Sie?"
"Von zuhause."
Wie erkennt man einen aufgeregten Ostfriesen?
Er zieht die Augenbraue hoch.
Ein Ostfriese geht zum Arzt: „Mir fehlt irgendwas."
Arzt: „Was genau?" Ostfriese: „Weiß ich nicht. Sonst wär ich nicht hier."
Fragt jemand den Ostfriesen: „Was machen Sie so?"
"Wenig." "Und sonst?" "Noch weniger."
Warum gehen Ostfriesen nie verloren?
Sie wissen immer wo sie nicht hinwollen.
Ostfriese zum Nachbarn nach zwanzig Jahren: „Du hast einen neuen Hund."
"Jo." "Wie heißt er?" "Hund."
Ein Ostfriese wird gefragt ob er Urlaub hatte.
"Jo." "Schön?" "Jo." "Wohin?" "Zuhause." "Das ist kein Urlaub." "Ich weiß."
Warum fahren Ostfriesen langsam?
Sie kommen eh an.
Zwei Ostfriesen sitzen am Deich. Sagt der eine nach einer Stunde:
"Schöner Tag." Sagt der andere nach weiteren zwei Stunden: "Ich bin zum Reden hergekommen, nicht zum Streiten."
Woran erkennt man in Ostfriesland einen Stau?
Zwei Trecker hintereinander. Gehupt wird trotzdem nicht.
Warum rührt ein Ostfriese seinen Tee nie um?
Er weiß, dass das Beste zum Schluss kommt. Beim Tee wie beim Gespräch.
Wie flach ist Ostfriesland?
So flach, dass man schon am Montag sieht, wer am Donnerstag zum Tee kommt.
Warum geht der Ostfriese nicht zum Friseur?
Wozu? Der Wind frisiert ihn jeden Morgen neu. Umsonst.
Woran erkennt man, dass ein Ostfriese keinen Tee mehr möchte?
Er legt den Löffel in die Tasse. Sagen würde er es nie.
Ein Orkan deckt das halbe Dach vom Hof ab. Der Ostfriese schaut nach oben.
„Wird frisch.“
Ein Urlauber steht bei Ebbe am Deich und fragt einen Ostfriesen: „Wo ist denn hier das Meer?“
„Kommt gleich wieder. Setzen Sie sich so lange.“
Wie lange dauert in Ostfriesland ein Ehestreit?
Bis einer was sagt. Manchmal also bis zum nächsten Sommer.
Warum hält sich der Ostfriese Schafe?
Mit denen kann er sich stundenlang anschweigen, ohne dass einer beleidigt ist.
Was ist der Unterschied zwischen „Moin“ und „Moin Moin“?
„Moin“ ist eine Begrüßung. „Moin Moin“ ist schon Gesabbel.
Nach zwölf Jahren Beziehung fragt der Ostfriese seine Freundin: „Sollen wir heiraten?“
Sie: „Das kommt jetzt aber plötzlich.“ Er: „Jo. Hab mich spontan entschieden.“
Was macht ein Ostfriese, wenn sein Fernseher kaputt ist?
Er schaut aus dem Fenster. Ähnliches Programm: viel Himmel, wenig Handlung.
Ein Urlauber fragt den Ostfriesen: „Was kann man hier abends unternehmen?“
„Tee trinken.“ „Und wenn man keinen Tee mag?“ Der Ostfriese schaut ihn lange an. „Dann fahren Sie besser morgen wieder.“
Ein Vertreter klingelt beim Ostfriesen: „Ich hätte da ein tolles Angebot für Sie.“
„Nee.“ „Sie wissen doch noch gar nicht, worum es geht.“ „Eben.“
Was versteht man in Ostfriesland unter einem langen Klönschnack?
Einer sagt was. Und der andere geht nicht weg.
Wie merkt man in Ostfriesland, dass Windstille ist?
Die Möwen fliegen ausnahmsweise mal vorwärts.
Was ist für einen Ostfriesen ein Abenteuersport?
Boßeln bei Gegenwind.
Warum knistert der Kluntje so, wenn der heiße Tee auf ihn trifft?
Er ist der Einzige am Tisch, der sich traut, was zu sagen.
Was macht ein Ostfriese, wenn im Sommer die Feriengäste kommen?
Er vermietet das Haus, zieht in den Schuppen und wartet. Im Oktober kommt er wieder raus und fragt den Nachbarn, ob was war.
Der Ostfriese in diesen Witzen redet kaum, regt sich nie auf und hat für alles Zeit. Auf die Frage, was er so macht, antwortet er „Wenig“, und auf die Nachfrage „Noch weniger“. Das wirkt, weil der Rest der Republik so viel redet. Wenn ein Orkan das halbe Dach abdeckt und er nur „Wird frisch“ sagt, lachen wir eigentlich über unsere eigene Aufregung bei jedem Gewitter. Erzählt werden selbst die besten Ostfriesenwitze deshalb am liebsten so, wie der Ostfriese spricht: langsam, trocken und ohne viele Worte.
Dazu kommen die Teewitze. Ostfriesentee mit Kluntje und Sahne gehört dort so fest zum Alltag, dass ein Gast, der keinen Tee mag, im Witz lieber gleich wieder abreisen soll. Wer weiß, dass man den Löffel in die Tasse legt, wenn man genug hat, versteht auch die Pointe über den Ostfriesen, der das niemals aussprechen würde. Selbst der Kluntje, der beim Aufgießen knistert, ist im Witz nur deshalb laut, weil sich am Tisch sonst keiner traut. Den Rest erledigt das Wetter, mit Möwen, die nur bei Windstille vorwärts fliegen, und Boßeln bei Gegenwind als Abenteuersport.
Ostfriesenwitze sind fast immer jugendfrei. Sie kommen ohne Schimpfwörter und ohne Zweideutigkeiten aus, deshalb passen sie auf den Schulhof, auf lange Autofahrten an die Nordsee oder in die Teepause im Ferienhaus. Kinder mögen besonders die kurzen Fragen, etwa die nach dem Stau aus zwei Treckern. Beim Abenteuersport erklärst du ihnen kurz, was Boßeln ist, nämlich eine Kugel möglichst weit über Feldwege und Landstraßen zu werfen und hinterherzulaufen. Dann sitzt auch die Pointe mit dem Gegenwind. Erwachsene haben mehr Spaß an den Dialogen, zum Beispiel am Heiratsantrag nach zwölf Jahren, bei dem sich der Ostfriese „spontan entschieden“ hat.
Beim Erzählen darfst du ein bisschen Platt einstreuen. Ein „Moin“ oder ein „Jo“ reicht völlig, übertreiben solltest du den Tonfall nicht, sonst wird aus dem Witz eine Parodie. Wem die ostfriesische Ruhe gefällt, der findet beim Trockenhumor noch mehr Pointen ohne Ausrufezeichen. Ganz anders klingen die Bayernwitze, da geht es lauter und deftiger zu. Und bei den Schottenwitzen wird ebenfalls gespart, nur geht es dort ums Geld und nicht um Worte.
Die klassischen Ostfriesenwitze stammen aus einer Zeit, in der plötzlich halb Deutschland Witze über Ostfriesland erzählte. In den Siebzigerjahren hatten sie ihre große Zeit, und das Muster war immer gleich: kurze Frage, kurze Antwort, fertig. Warum, wieso, wie viele. Der Ostfriese war in diesen Witzen der Mensch, der alles ein bisschen anders macht als der Rest der Republik.
Das Schöne an der Geschichte: Die Ostfriesen haben den Spieß einfach umgedreht. Statt sich zu ärgern, haben sie die Witze über Ostfriesen selbst weitererzählt, gesammelt und auf Postkarten gedruckt. Wer heute an der Küste Urlaub macht, findet sie in vielen Souvenirläden, gleich neben Teeservice und Leuchtturm-Magnet. Selbstironie gehört dort zur Landschaft wie der Deich und der Wind. Und wer einem Ostfriesen einen Ostfriesenwitz erzählt, bekommt meistens einen besseren zurück. Allerdings erst nach einer kleinen Pause.
Neben dem Frage-Antwort-Klassiker gibt es den trockenen Dialog, bei dem die Pointe in dem steckt, was nicht gesagt wird. Ein „Nee“ an der richtigen Stelle ersetzt einen ganzen Absatz. Beim Erzählen kommt es deshalb aufs Tempo an: lieber eine Sekunde zu lange warten als zu kurz. Wer diese Art Humor mag, wird bei den Anti-Witzen fündig. Und die Schweizer Witze zeigen, dass man auch in den Bergen mit sehr wenigen Worten sehr lustig sein kann.