Was ist ein Besserwessi?
Einer, der dir die Elbe erklärt, während er sie zum ersten Mal sieht.
Ossi-Wessi-Witze gibt es, seit im November 1989 die Mauer fiel und sich Ost und West zum ersten Mal richtig aus der Nähe angeschaut haben. Hier findest du Witze über Ossis und Witze über Wessis, gerecht verteilt: Besserwessi trifft Bastler, Broiler trifft Hähnchen, Spreewaldgurke trifft Mülltrennung. Böse gemeint ist davon nichts, eher wie in einer Familie, die sich nach langer Zeit wiedergefunden hat und erst mal klären muss, wer wo am Tisch sitzt.
Was ist ein Besserwessi?
Einer, der dir die Elbe erklärt, während er sie zum ersten Mal sieht.
Und was ist ein Besserossi?
Einer, der dir erklärt, wie man aus einer alten Waschmaschine einen Rasenmäher baut. Das Ding mäht übrigens bis heute.
Woran merkt man, dass ein Wessi schon lange in Leipzig wohnt?
Er erklärt den Neuen aus Stuttgart, wie Leipzig funktioniert.
Ein Ossi schwärmt: „Früher hatten wir noch Zeit.“ Fragt der Wessi: „Wofür denn?“
„Zum Anstehen.“
Ein Wessi verlangt beim Bäcker in Köpenick einen Berliner.
Die Verkäuferin: „Die heißen hier Pfannkuchen. Berliner sind wir.“
Was musste ein Wessi im Osten als Erstes lernen?
Dass ein Broiler kein Heizkessel ist. Den isst man.
Ein Ossi und ein Wessi gründen zusammen eine Firma. Der Wessi bringt das Geld mit, der Ossi die Erfahrung.
Nach fünf Jahren hat der Ossi das Geld und der Wessi die Erfahrung.
Wie nennt man ein Paar, bei dem sie aus Magdeburg kommt und er aus Bielefeld?
Eine kleine Wiedervereinigung. Mit großem Streit darüber, ob es Plaste oder Plastik heißt.
Wie nennt ein Ossi ein T-Shirt?
Nicki. Wer jetzt „Wie bitte?“ fragt, ist ein Wessi.
Was hat ein Ossi bis heute immer im Haus?
Eine Banane. Man weiß ja nie.
Ein Wessi schwärmt seinem Nachbarn in Rostock vor, was für ein Geheimtipp Warnemünde ist.
Der Nachbar nickt: „Geheim war das vor allem für euch.“
Ein Wessi fährt 1990 zum ersten Mal in den Osten und fotografiert an der ersten Kreuzung das Ampelmännchen.
Heute hat er es als Tasse, als Kühlschrankmagnet und als Schlafanzug. Der Ossi hat so was nicht. Der hatte das Original.
Welches Ost-West-Duell hat der Osten klar gewonnen?
Das Sandmännchen. Gegen den kleinen Kerl mit der Zipfelmütze hatte die Konkurrenz aus dem Westen nie eine Chance.
Ein Ossi zeigt seinem Enkel den alten Trabi in der Garage: „Den hab ich nach der Wende nicht verkauft.“ „Warum nicht, Opa?“
„Wollte keiner haben. Jetzt ist er ein Oldtimer, und alle wollen ihn.“
Wie viele Ossis und Wessis braucht man, um ein Regal aufzubauen?
Einen Wessi, der die Anleitung vorliest, und einen Ossi, der sagt: „Lass mal, das hält auch ohne die Schrauben.“
Ein Wessi erklärt seinem neuen Nachbarn in Rostock eine halbe Stunde lang, wie man Glas und Altpapier richtig trennt.
Der Rostocker nickt freundlich: „Schön. Bei uns hieß das früher SERO. Da gab's für die Flaschen sogar noch Geld.“
Woran merkt man, dass die Einheit wirklich geklappt hat?
Ossis und Wessis meckern inzwischen gemeinsam. Am liebsten über die Bayern.
Ein Ossi fährt im November 1989 zum ersten Mal nach West-Berlin. Abends fragt die Familie: „Und, wie war's?“
„Toll. Hundert Mark Begrüßungsgeld, und nach einer Stunde hatte ich eine Kassette, eine Tüte Gummibärchen und einen Wessi, der mir erklärt hat, wie man richtig einkauft.“
Was ist der Unterschied zwischen Ostalgie und Westalgie?
Für Ostalgie gibt es eigene Partys, eigene Läden und eigene Filme. Westalgie nennt der Wessi einfach „früher“.
Woran erkennt man einen Ossi im Supermarkt in München?
Er steht seit zehn Minuten vor dem Gurkenregal und sucht die aus dem Spreewald. Die anderen zählen für ihn nicht.
Ein Wessi sieht 1990 zum ersten Mal einen Plattenbau: „Furchtbar, so eng und so grau.“
Dreißig Jahre später zahlt er in Hamburg für genau so eine Wohnung das Dreifache und nennt es urbanes Wohnen.
Was sagt ein Ossi, wenn ihm im Westen etwas nicht passt?
„Bei uns war das ganz anders.“ Was genau anders war, hängt davon ab, was ihm gerade nicht passt.
Ein Ossi probiert im Büro zum ersten Mal den Kaffee aus dem neuen Vollautomaten.
„Schmeckt fast wie früher aus dem Westpaket. Nur riecht er nicht nach Seife.“
Ein Ossi und ein Wessi streiten beim Bier drei Stunden lang, wer es nach der Wende schwerer hatte.
Am Ende einigen sie sich auf die Wirtin. Die musste sich das alles anhören.
Ein Ossi wird gefragt, was er aus der alten Zeit am meisten vermisst.
Er überlegt lange und sagt: „Meine Jugend. Der Rest kann bleiben, wo er ist.“
Ein Wessi isst zum ersten Mal Soljanka und sagt: „Lecker, so ein Eintopf!“
Der ganze Tisch wird still, und die Oma nimmt ihm wortlos den Teller weg.
Am 3. Oktober grillen ein Ossi und ein Wessi zusammen. Der Ossi bringt Thüringer mit, der Wessi Nürnberger.
Gegessen werden am Ende Gemüsespieße. Die Enkelin ist Vegetarierin, und gegen die kommen Ost und West gemeinsam nicht an.
Wie erklärt ein Ossi einem Wessi, was eine Datsche ist?
„Ein Garten mit Häuschen fürs Wochenende.“ „Ach, so was haben wir auch.“ „Nee. Ihr fahrt da zum Ausruhen hin.“
Ein Ossi aus Chemnitz zieht nach Köln und gibt sich große Mühe, seinen Dialekt loszuwerden.
Nach drei Jahren spricht er fließend Kölsch. Mit sächsischem Akzent.
Ein Ossi fährt mit seinem Gebrauchtwagen aus dem Westen zum ersten Mal in die Werkstatt. „Was ist denn kaputt?“, fragt der Mechaniker.
„Nichts. Ich wollte nur mal sehen, ob man hier auch ohne Beziehungen einen Termin kriegt.“
Die beiden Kategorien werden oft verwechselt, dabei geht es um ganz unterschiedliche Dinge. DDR-Witze sind in der DDR entstanden und drehen sich um das System, um Partei, Mangel und die Frage, wem man einen Witz besser nicht erzählt. Ossi-Wessi-Witze beginnen mit dem Mauerfall. Plötzlich standen sich Menschen gegenüber, die dieselbe Sprache sprachen und trotzdem andere Wörter benutzten, andere Autos fuhren und andere Vorstellungen davon hatten, was ein ordentliches Abendbrot ist. Gelacht wird hier also über Gewohnheiten auf beiden Seiten, über Begrüßungsgeld, Besserwisserei und Bananen.
Ein gutes Beispiel ist der Witz vom Ossi, der schwärmt, früher habe man noch Zeit gehabt. Der Wessi fragt, wofür, und die Antwort lautet: zum Anstehen. Der Witz funktioniert, weil er zwei Dinge gleichzeitig tut. Der Ossi lacht über seine eigene Nostalgie, und die Frage des Wessis zeigt, dass der von diesem Alltag keine Ahnung hat. Jeder bekommt ein bisschen ab, und keiner wird vorgeführt.
Viele Witze auf dieser Seite spielen mit Wörtern, die es so nur im Osten gab oder gibt. Ein Broiler ist ein Brathähnchen, Plaste ist Plastik, und ein Nicki ist ein T-Shirt. Eingekauft wurde in der Kaufhalle, am Wochenende ging es auf die Datsche, also ins Gartengrundstück mit Laube. Ein Westpaket war ein Päckchen von Verwandten aus dem Westen, das nach Kaffee und Seife roch. Bei SERO, den Annahmestellen für Altstoffe, gab es für Flaschen und Altpapier Geld. In Berlin heißt ein Berliner übrigens Pfannkuchen, und das gilt im Osten der Stadt genauso wie im Westen.
Zwei Figuren aus dem Osten haben die Wende besonders gut überstanden. Das Ampelmännchen mit Hut steht heute in vielen Städten wieder an der Fußgängerampel und ziert dazu Tassen, Taschen und Socken. Das Sandmännchen mit der Zipfelmütze läuft bis heute jeden Abend im Fernsehen. Beide tauchen deshalb gern in Witzen auf, bei denen der Osten ausnahmsweise mal klar vorne liegt.
Beim Zusammenstellen haben wir darauf geachtet, dass beide Seiten ungefähr gleich viel abbekommen. Der Wessi ist in diesen Witzen meistens der Besserwisser, der den Dresdnern die Elbe erklärt, seinem Nachbarn in Rostock die Mülltrennung beibringt und Soljanka für einen Eintopf hält. Der Ossi ist der Bastler, der aus einer alten Waschmaschine einen Rasenmäher baut, im Münchner Supermarkt nach Spreewaldgurken sucht und gern erwähnt, dass früher manches anders war. Beide Bilder sind übertrieben, und beide haben einen wahren Kern, über den die Betroffenen selbst am lautesten lachen.
Weggelassen haben wir Witze, die nur nachtreten. Nach der Wende haben viele Menschen im Osten ihre Arbeit verloren, und für viele Familien war das eine schwere Zeit. Darüber kann man reden, aber für einen Witz an der Kaffeetafel taugt es nicht. Ost-West-Witze sind dann gut, wenn am Ende alle am Tisch sitzen bleiben. Der Witz von den zwei Männern, die drei Stunden streiten, wer es schwerer hatte, und sich dann auf die Wirtin einigen, trifft diesen Ton ziemlich genau.
Ähnlich ist es beim Witz von der gemeinsamen Firma. Der Wessi bringt das Geld mit, der Ossi die Erfahrung, und nach fünf Jahren ist es genau andersherum. Hier gewinnt der Ossi, und trotzdem lachen Wessis darüber mindestens so laut. Vermutlich hatte jeder schon mal einen Geschäftspartner, bei dem es so ähnlich lief.
Viele Ossi-Witze werden mit sächsischem Zungenschlag erzählt, auch wenn die Geschichte in Rostock oder Erfurt spielt. Wer den Dialekt mag, findet bei den Sachsenwitzen noch mehr davon. Berlin ist ein Sonderfall, weil die Stadt selbst geteilt war und Ost und West dort Tür an Tür lebten. Die Berliner haben ihren ganz eigenen Humor, trocken und mit viel Schnauze, wie die Berlinerwitze zeigen. Und wenn sich Ossis und Wessis endlich mal einig sind, dann oft beim gemeinsamen Meckern über die Bayern. Die nehmen das zum Glück sportlich, wie man bei den Bayernwitzen sieht.
Am besten passen Ossi-Wessi-Witze dorthin, wo Ost und West sowieso zusammen am Tisch sitzen. Auf die Hochzeit, wenn die Braut aus Magdeburg kommt und der Bräutigam aus Bielefeld. Zum Familienfest, wenn der Onkel aus Hannover zum ersten Mal Soljanka probiert. Oder zum 3. Oktober, wenn mit den Nachbarn gegrillt wird. Für solche Runden lohnen sich auch die Familienwitze, die in Ost und West gleich gut ankommen.
Unser wichtigster Tipp: Erzähl den Witz über deine eigene Seite. Ein Ossi, der einen Ossi-Witz erzählt, bekommt den größten Lacher, und beim Wessi ist es genauso. Wenn die Runde gemischt ist, erzähl einfach einen von jeder Sorte, dann ist die Rechnung ausgeglichen. Bei Jüngeren, die nach 1990 geboren sind, zünden Witze über Begrüßungsgeld oder Westpakete manchmal nicht, weil sie die Zeit nicht miterlebt haben. Für sie eignen sich die Witze über Ampelmännchen, Sandmännchen und Spreewaldgurken besser, die kennt bis heute fast jedes Kind.
Noch ein Wort zum Dialekt. Wer nicht aus Sachsen oder Thüringen kommt, sollte den Ossi im Witz lieber nicht mit übertriebenem Sächsisch nachmachen. Das wirkt schnell von oben herab, und so sind diese Witze nicht gemeint. Ein kleiner Zungenschlag reicht völlig. Umgekehrt gilt dasselbe für den Wessi, der muss nicht klingen wie ein Nachrichtensprecher. Erzähl lieber ruhig, gönn dir vor der Pointe eine kurze Pause und schau, wer zuerst lacht. Meistens ist es der, über den der Witz geht.