Was sagt man in der DDR wenn jemand fragt wie es einem geht?
"Kann nicht klagen." Das stimmt. Klagen war nicht empfohlen.
DDR-Witze erzählen vom Alltag zwischen Trabi-Warteliste, leeren Regalen und dem Gefühl, dass am Telefon immer einer mithört. Hier findest du die Witze, mit denen sich die Leute damals Luft gemacht haben, und ein paar neue im selben Geist. Viele davon zünden heute noch, auch bei allen, die die DDR nur aus den Erzählungen ihrer Eltern kennen.
Was sagt man in der DDR wenn jemand fragt wie es einem geht?
"Kann nicht klagen." Das stimmt. Klagen war nicht empfohlen.
Warum hatten DDR-Bürger immer eine Einkaufstasche dabei?
Weil man nie wusste wann irgendwas da war. Und dann musste man schnell sein.
Ein DDR-Bürger hat eine Idee. Was macht er?
Er schreibt sie auf. Und schaut sich um. Und schreibt sie wieder weg.
Was war die beliebteste Sportart in der DDR?
Westfernsehen gucken.
Ein Ossi und ein Wessi treffen sich nach der Wende.
Sagt der Wessi: "Jetzt habt ihr ja alles was ihr euch gewünscht habt." Sagt der Ossi: "Jo. Und ihr auch."
Wie nennt man einen Trabant auf einem Hügel?
Ein Wunder.
Was ist der Unterschied zwischen der DDR und dem Westen?
Im Westen dreht man den Fernseher an wenn man Nachrichten hören will. In der DDR dreht man ihn an wenn man Propaganda hören will.
Warum lacht man in der DDR so laut?
Damit die Nachbarn denken es geht einem gut.
Ein Mann bestellt einen Trabant. „Lieferung in genau zwölf Jahren“, sagt der Verkäufer.
„Vormittags oder nachmittags?“ „Ist doch egal.“ „Nein. Vormittags kommt der Klempner.“
Wie verdoppelt man den Wert eines Trabis?
Man tankt ihn voll.
Was passiert, wenn man in der Sahara den Sozialismus einführt?
Erst mal gar nichts. Dann wird der Sand knapp.
Ein Mann sieht vor einem Laden eine lange Schlange und stellt sich sofort hinten an.
Fragt ihn einer: „Was gibt es denn?“ „Keine Ahnung. Aber wenn ich vorne bin, nehme ich zwei.“
Ein Kunde fragt in der Fleischerei: „Haben Sie keinen Fisch?“
„Nein, bei uns gibt es kein Fleisch. Keinen Fisch gibt es im Laden nebenan.“
Was war in der DDR die härteste Währung?
Ein Pfund Kaffee aus dem Westpaket. Dafür kam sogar der Handwerker noch in derselben Woche.
Ein Mann ruft bei der Stasi an: „Mein Papagei ist mir entflogen.“
„Und was haben wir damit zu tun?“ „Ich wollte nur sagen: Ich teile seine politischen Ansichten nicht.“
Zwei Freunde sitzen in der Kneipe. Fragt der eine: „Was hältst du eigentlich von unserer Regierung?“
Der andere schaut sich um, geht mit ihm raus, über die Straße, durch den Wald bis auf eine einsame Lichtung. Dann flüstert er: „Ich finde sie eigentlich ganz gut.“
Wie viele Leute braucht man in der DDR für ein Telefongespräch?
Drei. Einer redet, einer hört zu und einer schreibt mit.
Warum fuhren so viele am Wochenende auf die Datsche?
Der Gartenzwerg war der einzige Nachbar, der nichts weitererzählt hat.
Der Parteisekretär ruft auf der Versammlung: „Genossen, bald werden wir den Westen überholen!“
Meldet sich einer von hinten: „Und dürfen wir beim Überholen dann kurz aussteigen?“
Ein Genosse geht zum Arzt: „Ich brauche einen Augen-Ohren-Arzt.“
„So was gibt es nicht. Was haben Sie denn?“ „Ich höre ständig etwas anderes, als ich sehe.“
Wie erklärt man einem Kind in der DDR, warum Bananen krumm sind?
Sie müssen einen großen Bogen um unser Land machen.
Was ist in der DDR ein Streichquartett?
Ein Sinfonieorchester, das von einer Gastspielreise im Westen zurückkommt.
Was sagen die Arbeiter im volkseigenen Betrieb über ihren Lohn?
„Die tun so, als würden sie uns bezahlen. Und wir tun so, als würden wir arbeiten.“
Die Lehrerin fragt: „Wer ist dein Vater?“ „Die Partei.“ „Und wer ist deine Mutter?“ „Die Republik.“
„Und was willst du später mal werden?“ „Waise.“
Was liegt in jedem gut ausgestatteten Trabi im Handschuhfach?
Der Fahrplan der Reichsbahn.
Kein Gegenstand taucht in DDR-Witzen so oft auf wie der Trabant. Auf ihn wartete man jahrelang, und gleichzeitig machte sich jeder über ihn lustig. Der Witz „Wie verdoppelt man den Wert eines Trabis? Man tankt ihn voll.“ braucht keine Erklärung, der Fahrplan der Reichsbahn im Handschuhfach auch nicht. Mit den Trabi-Witzen erreichst du auch Kinder und Jugendliche, denn dafür muss man nichts über Politik wissen.
Das zweite große Thema ist der Mangel. Kaffee als härteste Währung oder Bananen, die einen großen Bogen um das Land machen, das war der ganz normale Ärger über das, was es nicht gab. Bissiger sind die Witze über Partei und Staatssicherheit. Der Mann, der bei der Stasi anruft, um klarzustellen, dass er die politischen Ansichten seines entflogenen Papageis nicht teilt, zeigt in einem Satz, wie sich Überwachung im Alltag angefühlt hat. Ähnlich der Schüler, der Partei und Republik als Eltern angibt und später Waise werden will. Solche Witze sind eher etwas für Erwachsene, weil man den Hintergrund kennen muss.
Oft landen beide in einem Topf, dabei stammen sie aus verschiedenen Zeiten. DDR-Witze entstanden im Land selbst und richteten sich gegen den Staat, die Partei und die Planwirtschaft. Ossi-Wessi-Witze kamen erst nach der Wende auf. Da geht es um das Aufeinandertreffen von Ost und West, um Besserwisser aus dem Westen und Ostdeutsche, die sich nichts vormachen lassen, und beide Seiten bekommen ihr Fett weg. Der Witz auf dieser Seite, in dem der Ossi dem Wessi mit „Jo. Und ihr auch.“ antwortet, steht genau an dieser Grenze.
Am schönsten sind DDR-Witze, wenn sie jemand erzählt, der dabei war. Frag auf der nächsten Familienfeier ruhig Oma oder Onkel nach ihrem Lieblingswitz aus der Zeit. Meistens kommt dann nicht nur der Witz, sondern auch die Geschichte dazu, wo man ihn zum ersten Mal gehört hat. Wer es danach etwas düsterer mag, findet beim schwarzen Humor ähnlich bissige Pointen, und die Berliner Witze zeigen, wie eine Stadt, die lange geteilt war, heute über sich lacht.
Viele Witze aus der DDR wurden nie aufgeschrieben. Man erzählte sie leise, unter Freunden, in der Küche oder auf der Datsche, deshalb nennt man sie oft Flüsterwitze. Wer einen guten Witz kannte, überlegte sich genau, wem er ihn weitergab. Wer an der falschen Stelle gelacht hatte, konnte Ärger bekommen, und das wusste jeder. Das hat den Witzen gutgetan: Sie mussten schnell erzählt sein und sofort sitzen.
Die politischen Witze der DDR hatten ein paar wiederkehrende Muster. Sehr beliebt waren die Anfragen an Radio Eriwan, einen angeblichen Sender aus Armenien, der jede heikle Frage mit „Im Prinzip ja, aber …“ beantwortete. Dazu kommen Witze, in denen der Parteisekretär, der Genosse vom Amt oder der freundliche Herr von nebenan mitspielen, ohne dass je ein Name fällt. Und dann die Alltagswitze über Schlangen vor der Kaufhalle, Westpakete und Wartelisten für den Trabi, die man heute oft unter dem Begriff Ostwitze zusammenfasst.
Wer wissen will, wie politischer Humor heute klingt, findet bei den Politikwitzen die moderne Fassung. Und weil viele Ostwitze mit sächsischem Zungenschlag erzählt werden, lohnt sich auch ein Blick in die Sachsenwitze. Ein Tipp zum Erzählen: Viele dieser Witze wirken am besten, wenn man sie genauso leise vorträgt wie damals, ganz nah am Ohr des Gegenübers.